Letztens wieder. Ich telefoniere mit einer City-Managerin, wir bereiten einen Workshop vor.
Und dann kommt dieser Satz, den ich so oder so ähnlich in fast jedem dieser Gespräche höre: „Wir haben alle Händler:innen eingeladen. Bei einigen wissen wir ehrlich gesagt nicht, ob sie kommen. Da scheint nicht wirklich Interesse zu bestehen.„
Diesen Satz kenne ich mittlerweile von vielen Citymanager:innen aus dem deutschsprachigen Raum. Er kommt fast überall. Und er zeigt das Kernproblem der Innenstadtbelebung: Es liegt selten am Konzept – sondern an der Frage, mit wem Citymanagement und Stadtmarketing eigentlich arbeiten.
Ich war in den vergangenen Monaten viel mit Impulsvorträgen und Workshops für den lokalen Einzelhandel unterwegs. Uelzen, Köln, Greven, Paderborn, Recklinghausen, Schorndorf, Waiblingen, Stolberg, um nur einige zu nennen.
Unterschiedliche Städte, unterschiedliche Größen, unterschiedliche Herausforderungen. Mal ist es der Leerstand, mal die sinkende Kundenfrequenz, mal beides.
Aber eines ist überall gleich.
Die drei Gruppen bei jeder Stadtmarketing-Veranstaltung
Jedes Mal, wenn Wirtschaftsförderung oder Stadtmarketing zur Veranstaltung einladen, zeigt sich das gleiche Bild. Die Händlerschaft teilt sich in drei Gruppen:
- Die, die nicht kommen – und auch kein Interesse haben. (Hier gehören übrigens auch Filialisten und Ketten dazu, die oftmals nur bedingtes Interesse am regionalen Austausch haben.)
- Die, die vielleicht kommen – und wenn überhaupt, dann nach mehrmaligen Einladungen.
- Und die, die bei fast jeder Veranstaltung dabei sind. Die Fragen stellen. Die gestalten wollen. Die wirklich aktiv sind. Fast immer: inhabergeführte Läden.
(Fun Fact: Dreimal darfst du raten, wessen Läden am bekanntesten sind und oftmals am besten laufen.)
Warum Überzeugungsarbeit Energieverschwendung ist
Früher habe ich viel Energie in Gruppe 1 und 2 gesteckt. Noch eine Einladung. Noch ein Erinnerungsschreiben. Noch ein „Vielleicht erreichen wir sie ja diesmal“.
Ich habe vor Jahren damit aufgehört. Weil es in meinen Augen Energieverschwendung ist, die überzeugen zu wollen, die sowieso nicht wollen.
Meine Erfahrung aus über 1.000 begleiteten Läden: Die größte Erfolgsquote für eine Innenstadt entsteht nicht, wenn wir versuchen, alle mitzunehmen.
Sie entsteht, wenn wir mit denen arbeiten, die wirklich wollen. Mit den Ladeninhaber:innen, die sowieso Lust haben. Die motiviert sind. Die Bock haben, etwas zu verändern.
„Und die anderen? Die lässt du einfach zurück?“
Nein. Im Gegenteil. Die anderen brauchen keine weitere Einladung. Sie brauchen ein Beispiel.
Sie müssen erst sehen, wie die Aktiven es machen. Wie deren Schaufenster sich verändern. Wie die Kundenfrequenz in deren Läden steigt. Wie in der Stadt darüber gesprochen wird.
Wie Momentum in der Innenstadt entsteht
Und genau dann entsteht etwas, das keine Einladung der Welt schafft:
Momentum.
Momentum entsteht nicht, wenn wir versuchen, mit allen etwas zu machen. Momentum entsteht mit den Richtigen.
Und plötzlich machen beim nächsten Stadtfest mehr Läden mit. Bei der nächsten gemeinsamen Weihnachtsaktion sind auf einmal neue Geschäfte dabei. Und im nächsten Workshop dürfen wir plötzlich neue Gesichter begrüßen.
Das meine ich. Das ist gelebte Innenstadtentwicklung – von unten, aus der Händlerschaft heraus.
Das ist der Synergieeffekt, der sich mir immer wieder zeigt: Die aktiven Händler:innen haben das Potenzial, die anderen mitzuziehen.
Nicht andersherum.
Johannes Albert
PS: Du arbeitest im Citymanagement, Stadtmarketing oder in der Wirtschaftsförderung und suchst Impulsvorträge oder Workshops für deine Händler:innen? Schreib mir eine kurze Nachricht – lass uns sprechen.